Das Spiel mit dem Fingerzeigen
Es ist immer das gleiche Muster. Beim Klimaschutz sagen viele Menschen, dass erst die anderen anfangen müssen. Wer Fleisch isst, zeigt auf den Nachbarn, der konventionelles Gemüse kauft. Wer in den Urlaub fliegt, schimpft auf die Leute mit dem dicken Auto. Und wer fossilen Strom nutzt, wartet auf die Energiewende vom Staat.
Wenn alle nach diesem Motto leben, bleibt am Ende eine kleine Kette von Menschen übrig. Am Ende zeigt Larry Ellison auf Jeff Bezos, Jeff Bezos zeigt auf Sergey Brin, Sergey Brin zeigt auf Larry Page, und der zeigt dann auf Elon Musk. Und Elon Musk macht dann auch nichts. Wenn jeder nur auf den noch größeren Umweltzerstörer zeigt, sind wir am Ende alle Teil des Problems.
System und Kleinvieh machen auch Mist
Natürlich haben die Superreichen einen riesigen CO2-Fußabdruck. Wir brauchen ganz klar weniger Einfluss von Milliardären und wir müssen als Staaten die systemischen Probleme anpacken. Die Politik muss die Regeln ändern, für Ökostrom, für Bio-Lebensmittel und für eine echte Mobilitätswende.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wir Menschen müssen für uns selbst auch etwas tun. Nicht umsonst sagt man umgangssprachlich: Kleinvieh macht auch Mist. Wenn vierzig Menschen nicht mehr fliegen, wird es auch weniger Luftverkehr geben. Wenn mehr Menschen vegan leben oder das Fahrrad für den Weg zur Arbeit nutzen, verändert das den Markt. Jeder Schritt im Alltag zählt.
Die Legende vom Landleben
Ein besonders beliebtes Argument in Deutschland ist das Wohnen auf dem Land. Viele Menschen nutzen das als Ausrede, warum sie nicht auf das Auto verzichten oder den ÖPNV verweigern können. Die Daten von Statista zeigen aber ein anderes Bild. Genau 77,9 Prozent der Menschen in Deutschland leben in urbanen Räumen, also städtisch.
Die Ausrede vom einsamen Leben auf dem Dorf ohne Busverbindung gilt also für die allermeisten Menschen gar nicht. Der ÖPNV funktioniert in den Städten meistens halbwegs. Trotzdem reicht oft eine schlechte Erfahrung, wie bei der eigenen Mutter: Sie fährt einmal mit der Bahn, steigt in den falschen Zug, und danach ist das ganze System schuld. Ausnahmen gibt es natürlich immer, wie Menschen mit Behinderungen, die es im ÖPNV schwer haben. Aber die gesunde Mehrheit in der Stadt könnte einfach machen.
Wer das Fahrrad nutzt, gewinnt oft sogar Stunden gegenüber dem Stau im Auto. Diese Zeit ist eine Investition in eine lebenswerte Zukunft für die nächsten Generationen. Wir müssen aufhören zu warten und selbst anfangen.
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