Offene Hose in Social Networks

Ich hatte mich lange gewehrt bei Facebook ein Profil zu erstellen, aber nachdem ich geschäftlich ab und zu einen Account dort benötige um Anwendungen zu testen oder einfach nur zu sehen, habe ich mich mal angemeldet. Ich hatte bisher immer Vorurteile über das Netzwerk und konnte mich daher nie durchringen mich anzumelden. Aber nun, es ist passiert. Ich kann plötzlich verstehen, weshalb alle Datenschutzbeauftragten dieser Welt so panisch reagieren, wenn sie Facebook, oder andere Social Networks nur hören.

Ich habe gefühlt eine Stunde gebraucht, bis ich alles was meine Daten irgendwie verteilt deaktiviert hatte. Und noch heute habe ich Punkte gefunden, die immer noch Leute sehen, denen ich das nicht explizit erlaubt habe. Geht es noch? Man kann sich nicht einmal mit einem abgekürzten Namen anmelden, um ein wenig anonym zu bleiben. Und einen frei erfundenen Namen zu verwenden macht keinen Sinn. Wenn man wenigstens einen Nicknamen als Anzeige verwenden könnte.

Aber nun zum eigentlichen Punkt. Was treibt Leute öffentlich und bei den meisten ist es so eingestellt, die folgenden beispielhaften Sachen zu verbreiten?

  • dauernd ihren Aufenthaltsort mitzuteilen (wieso eigentlich nie: »habe gerade im Beate Uhse Shop Flensburg eingecheckt«)
  • das gerade gegessene aufzulisten (das Ergebnis davon später auf der Toilette kommt in etwa auf’s gleich raus)
  • einen anzustubsen (das ist wirklich das allerletzte – kann die heutige Nutzerschicht nicht mehr vernünftig kommunizieren?)
  • sich unzählige Anwendungen ins Profil zu laden (da sind also unsere Arbeitslosen die sonst nichts zu tun haben)
  • ist jetzt ein Fan von der Regaleinräumerin sowieso (in meiner Kindheit war man Fan vom Nationaltorwart oder Platz 1 der Charts)
  • ich könnte weiter machen… ja ;o)

Für die Firmen ist es auch fast unumgänglich eine eigene Seite oder Gruppen einzurichten um am Ball zu bleiben. Ich glaube, dieses übertrieben Fokussieren auf zu viele Channels wird irgendwann zu einer zu starken Zersplitterung der Information führen und die Kunden/Benutzer nur verwirren. Welchem Posting kann man denn nun trauen?

Nun denn, mal gespannt wie lange ich den Account habe. Momentan nervt es noch nicht, es ist noch interessant zu sehen wie sich die Leute exhibitionieren.

Anmerkung: Ja, auch ich habe schon in meinem Weblog über Essen berichtet. Aber nur, wenn es etwas aussergewöhnliches war und nicht die aufgewärmten Sonntagsfleischklößchen von Oma.

6 Antworten auf „Offene Hose in Social Networks“

  1. Mei mei. Die Leute, die sich ueber Social Networks und deren Nutzer auslassen sind noch viel schlimmer, als die mit den vielen Apps. Dass es Leute gibt, die ihre Privatsphaere unter Kontrolle haben und die kein Problem damit haben, einige Informationen ueber sich selbst mit anderen zu teilen, mag manchem unverstaendlich erscheinen. Aber mir erscheint auch vieles unverstaendlich und ich fange trotzdem nicht gleich an, ueber die extremsten Beispiele lautstark zu meckern.

    1. Hey Jonemo, es geht mir nicht um die Leute die es – wie auch immer man es definiert – vernünftig nutzen. Und ich bin da wahrlich nicht der einzige der sich darüber wundert, was „heute“ Kommunikation ist. Schönes Beispiel ist der „Future Man“ den ich als Reaktion auf meinen Beitrag von Angela dazu zugesendet bekommen habe. Ich kannte ihn vorher nicht. Er beschreibt sehr schön was ich denke.

      Mein Posting sollte auch weniger ein Angriff auf die Nutzer an sich, sondern deren Kommunikation sein und auf Facebook, das meiner Meinung nach initial fahrlässig mit meinen Daten umgeht. Und woher weisst du was Facebook mit deinen Daten verknüpft? (das ist natürlich nicht nur bei Facebook so)

      Leider bin ich darauf angewiesen diesen Account zu haben, da ich sonst immer Kollegen fragen muss, wenn ich mal schnell was Umgesetztes testen muss. Ein reiner Fakeaccount hätte es eventuell auch getan, mein erster wurde mir aber gelöscht, daher jetzt echt.

      Zwei Tage Facebook und mein Eindruck: Ein ähnliches Gefühl habe ich, wenn ich beim Umschalten von 3sat oder Arte Samstag Abend mal aus Versehen im DSDS RTL lande: Verschwendete Zeit, Datenmüll und Zurschaustellung. Und das Schlimme ist, ich lese es ja selbst. Also gehöre ich dem allem an. Bei Twitter ging es mir anfangs auch so, daher habe ich mich von dem Account getrennt, weil ich einfach merkte, dass es mir viel zu viel wertvolle Zeit „draussen“ gestohlen hat.

      Man kann mir natürlich sagen, wieso nutze ich es dann überhaupt und schaue die Pinnwand oder was auch immer an. Zum einen arbeite ich in der Branche und sollte mich damit auseinander setzen. Zum anderen bin ich glaube ich selbst ein bisschen exhibitionistisch veranlagt, sonst hätte ich auch keine Webseiten. Mich wundert halt einfach wie belanglos das alles ist.

      1. Die Leute, die sich ueber die Qualitaet der Inhalte ihres Twitter-„Streams“ oder ihrer Facebook-Wall beschweren belustigen mich. Man kann sich seine Freunde ja auch auf Facebook aussuchen. Wenn in deinem Newsfeed nur Muell steht, dann ist das evtl. kein Problem mit Facebook, sondern eines mit den „Freunden“. Ich nutze Facebook kaum noch, aber wenn ich mal reinschaue, enthaelt mein Newsfeed zu grossem Teil Inhalte, die mich interessieren.

        Zur Privatsphaere auf Facebook: Auch hier sehe ich das Problem nicht bei Facebook (obwohl die Usability der Masken unter „Settings“ verbesserungswert ist). Ich stelle bei Facebook nur Infos ein, die ich als oeffentlich betrachte. Ich bin mir bewusst, dass jede im Internet irgendwo veroeffentlichte Information als oeffentlich zu betrachten ist. Das Problem sehe ich vielmehr in den „Freunden“, die das eventuell nicht verstehen, und Informationen ueber mich preisgeben. Auch hier muss man sich seine Freunde also entsprechend aussuchen. Wer das nicht versteht, hat eben Pech gehabt. Es gibt viele dumme Leute und es ist nicht Aufgabe von Facebook, denen zu helfen.

        Klar, da wird im Hintergrund verknuepft und Datamining betrieben. Allerdings ist mir bisher kein Fall bekannt, wo die so gewonnenen Informationen in einer Weise verwendet wurden, die negativ Auswirkungen fuer mich – weder von Facebook noch von anderen wie etwa Google. Facebook macht also genau das, was ich mir von offizielle Stellen wie Geheimdienste und Polizei wuensche: Informationen verknuepfen und im Sinne des Geschaeftsziels (Verbrechensbekaempfung bei der Polizei und Gewinnmaximierung bei Facebook) auswerten und einsetzen ohne dabei durch Unfaehigkeit zu glaenzen.

        1. Gerade wurde mir bewusst, dass ich doch ganz froh bin, solche Inhalte wir ich sie vorfinde bei Facebook sehen zu müssen. Denn wie Du nur ganz tolle interessante Berichte zu lesen, würde mich an der Freizeitbeschäftgung meiner Freunde erst recht zweifeln lassen, dafür habe ich meine Newsgroups und sachbezogenen Feeds. ;o)

          Datenschutz und Schutz privater Infos können _wir_ abschätzen und entsprechend handeln, der Normalbürger ist dazu oft nicht in der Lage. Sehr häufig bekomme ich E-Mails von Nutzern die mit ihrem Echtnamen Kommentare schreiben und nach Monaten dann böse E-Mails schreiben, wieso sie in Google auftauchen. Die Normalnutzer können nicht einmal zwischen Berichten auf Webseiten (wie bei wohin.heute) und den dazu gehörigen echten Seiten unterscheiden. Wie will man dann von ihnen mündiges Erkennen von Inhalten, was für die Öffentlichkeit bestimmt ist oder nicht, verlangen?

        1. Wieso Angst? Nur Verwunderung. Aber man braucht sich dann wenigstens auch nicht über die Bild (das trifft ja meinen ersten Kommentar) zu wundern. Facebook ist halt nicht mehr als ein Bilderdienst und Blog für Leute die es selbst nicht auf die Reihe kriegen. Das ist auch gut so. Es kann nicht jeder Brötchen backen. Was aber anscheinend bei meinem ersten Posting nicht ankam war, dass ich auf die Gefahren der Privatsphäre hinweisen wollte und dass die Nutzer dort einfach zu viel Zeug preisgeben, das sie später vielleicht einmal bereuen.

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