Kleinbürgertum und Grünflächenamt

Eine Nachbargemeinde von mir, bisher nur wegen des dortigen FIAT-Händlers bekannt, wo ich mir den dann doch mal ganz gut gelungenen 500er angeschaut habe, penetriert mich seit geraumer Zeit mit fehlgeleiteten E-Mails.

Jetzt weiß ich aber sehr viel mehr. Ich werde in diesem Beitrag die weiteren E-Mails einfach veröffentlichen. Diese gehen an eine meiner privaten E-Mail-Adressen, die sicherlich leicht zu verwechseln ist, aber so sicher von keinem Gemeindeorgan benutzt wird. Antworten werde ich in diesem Fall erst, wenn es dann irgendwann überhand nimmt 😉

Zuerst kam eine E-Mail mit Anhang von Dieter F. in der er um Rücksprache bat:

Hallo K.,

bitte um Rücksprache in der Angelegenheit. Danke.

Gruß

D.

Er antwortete auf folgende E-Mail:

Hallo Herr F., als wir über die Übernahme der Pflege des städtischen Grundstückes gesprochen haben, habe ich die Vorgehensweise so verstanden, dass ich Wünsche in Bezug auf die Bepflanzung äußern kann. Dieses habe ich in einem Brief an Herrn W. getan.

Heute habe ich Herrn W. getroffen und ich hatte ihn nach einer anderen Nachricht befragt. Er sprach jedoch das Grundstück an und sagte, es würde Gras eingesät und sonst nichts. Wenn dem so ist, sehe ich, dass dann daraus ein Hundeklo wird und ich für das Wegräumen der Haufen zuständig werde. So habe ich es mir eigentlich nicht gedacht.

Wenn die Stadt keine Zeit hat, die Pflanzung vorzunehmen, so will ich auch das übernehmen.

Viele Grüße R.

Es war dann noch folgender Anhang als Word® Dokument angehängt:

R. 28.10.2007

Hallo Herr W.,

es ist schön, dass schon mit dem Ausbaggern des Grundstückes xxx/1 begonnen wurde. Ich gehe davon aus, dass der Bagger noch einmal anrückt, da ein Stück noch nicht „umgepflügt“ wurde. Bei dieser Gelegenheit bitte ich, den Dornenstrauch rauszuziehen, der neben dem von uns gepflanzten Hibiskus steht. Der Strauch ist mit Efeu und anderem durchwachsen.

Wenn die Begrünung im Frühjahr erfolgt, bin ich bereit, all das, was aus der angefahrenen Erde herauswächst, zu beseitigen.

Für die Begrünung habe ich folgenden Vorschlag / Wunsch: Außen herum Thujen als Hecke. Die lassen sich leicht in Form halten. Der Pflanzstreifen sollte etwa einen Meter breit sein und mit Rindenmulch oder Holzhäcksel abgedeckt sein. Zum Rasen hin wäre eine Mähkante schön. Wenn Sie die Steine anliefern, will ich sie verlegen (allerdings rundherum). Ich könnte dann innen noch einen kleinen Draht ziehen, falls der Rasen zum Hundeklo werden sollte.

Ich bin auch bereit, bei Bedarf zu wässern. Ich habe 2000 Liter Auffangmöglichkeit für Regenwasser. Ich bitte nur darum, dass sie mir Wasser anliefern, wenn mein Vorrat erschöpft sein sollte.

Viele Grüße

Eigentlich dachte ich, dass damit vorbei sei. Aber jetzt bin ich wohl in irgend einen Verteiler gerutscht. Ich erwarte fürchterliches Kleinbürgertum um Rasenkanten, Hundekot, Dornenbüsche und vieles mehr, das den arbeitslosen/pensionierten Deutschen so stört.

Guten Morgen zusammen,

bei meinem Rundgang gestern stelle ich fest, dass in diesem Raum unter der Eisenbahnbrücke eine Müllabladestelle entstanden ist.

Tannenbaum, Palette und allerlei Unrat sammeln sich dort an. Herrn W. habe ich gebeten Ordnung zu schaffen.

Bitte helfen Sie mir, dass Herr W. über das Straßenbauamt einen Schlüssel erhält, damit zukünftige Ablagerungen von Müll verhindert werden.

Vielen Dank und beste Grüße aus dem Rathaus der Stadt,

D. F.

Die folgende Korrespondenz ist auch herrlich. Beschäftigen sich unsere Staatsbediensteten wirklich mit solchem Zeug? Vor allem antwortet hier jemand auf E-Mails die an sich gar nichts miteinander zu tun haben.

Sehr geehrter Herr F.,

ich wende mich in einem Anliegen an Sie, das in Ihrem Zuständigkeitsbereich liegt.

Die XXX Str., Ortseingang von XXX kommend auf der rechten Seite ist in den letzten Monaten dermassen versandet und verschmutzt
(letzten Sonntag sogar eine tote Ratte), dass der Schmutz die Entwässerungsrinne und den darin befindlichen Ablauf zum Kanal weitestgehend
verstopft.

Ich habe dieses jetzt schon sehr lange beobachtet und seit Beginn der Bauarbeiten wird die Verschmutzung noch schlimmer.

Da wir in der Mitte der Ockenheimer Str. häufig mit Überschwemmungen bei grossen Regenereignissen belastet sind bin ich daran interessiert, dass der
Kanal nicht verstofft ist und das Wasser abführen kann.

Ich bitte Sie daher, dafür Sorge zu tragen, dass hier eine kontinuierliche Reinigung erfolgt.

Mit freundlichem Gruß

i.A. M. G.

Dipl. Ing. (FH) A.

Anstatt der Dame zu sagen, dass sie doch selbst mal den Besen in die Hand nehmen soll, geht es los, obwohl ich den Zusammenhang nicht verstehen kann:

Guten Abend zusammen,

bitte veranlassen Sie, dass die Arbeiten so ausgeführt werden, dass die Bürger nicht über Gebühr strapaziert werden.

Vielen Dank.

Gute Grüße aus dem Rathaus der Stadt,

D. F.

Diese Antworten verwundern mich auch, haben diese doch irgendwie nichts mit der obigen zu tun, waren aber aneinander gehängt:

Guten Tag, Herr F.

Es gibt hier verschiedene Lösungsansätze.

  1. Wir schreiben die Anwohner im Namen der Stadt an und fordern sie auf, der Straßenreinigungspflicht regelmäßiger nachzukommen.
  2. Die Stadt leert mit ihrem Bauhof die Straßeneinlaufeimer.
  3. Der Bauhof der VG leert die Straßeneinlaufeimer und wir stellen die Kosten der Stadt in Rechnung.

Bitte teilen sie mir mit, welchen der vorgenannten Schritte wir aktivieren sollen.

Gruß

G. S.

Und die Antwort:

Guten Morgen, Herr S.,

vielen Dank für Ihre Antwort. Ich schlage folgende Vorgehensweise vor:

  1. Der städtische Bauhof leert die Straßeneinlaufeimer
  2. Sie schreiben bitte die Anlieger im Namen der Stadt an und bitten sie gerade während der Bauzeit im Baugebiet Sandkaut regelmäßig der Straßenreinigungspflicht nachzukommen. Gleichzeitig bedanken wir uns für das Verständnis.

Vielen Dank für Ihre Mühewaltung in der Sache.

Gute Grüße

D. F.

Das geht bestimmt weiter…

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