Vorurteile – und wie sie schon bei kleinen Jungs bestehen

Gerade erst wieder eingefallen, aber doch leider eine Erwähnung wert. Zwischen den Jahren musste ich nach Leipzig zu einer Beerdigung eines Bundesbruders fahren. Da ich die Bahncard 50 habe und es von Mainz eine ganz bequeme direkte Verbindung gibt, fuhr ich also mit einem Freund ICE. Unterwegs gabelten wir in Fulda noch einen Weiteren auf, der auch auf demWeg zur Beerdigung war. So konnten wir schon mit dem im Zug einzig erhältlichen Warsteiner, gestärkt in Leipzig ankommen. Am Nachmittag sollte es dann wieder zurück gehen. Zuerst mussten wir aber auf unseren Zug warten, und so vertrieben wir uns die Zeit mit etwas zu Essen im Bahnhof und zwar im »Thüringer Hof«. Dort saß eine ältere Dame beim Nachmittagssekt und schäkerte auf’s Wirreste mit einem dort sitzenden ausländischen Mitbürger. Ich kann mich noch an Sätze wie – Was heißt Ich liebe Dich? »Ei laff ju?« – oder heißt das: »parle wu frohsee?« erinnern. Das Ganze natürlich mit einem herrlichen sächsischen Einschlag.
Das ist aber gar nicht der Grund des Beitrages. Im Zug zurück saßen wir an einem dieser engen vierer Tische und laberten über Gott und die Welt. Da wir ursprünglich einzeln reserviert hatten, waren an diesem Tisch nur zwei Plätze für uns reserviert und in Weimar stieg eine Frau mit einem ca. sechsjährigen Sohn zu. Dieser begann bald in tollstem thüringischem Dialekt mit uns zu reden und zeigte uns was er in der Schule vom Alphabet gelernt hatte. Er malte die ihm bekannten Buchstaben auf und auch einige Wort. Er erzählte witziges Zeug und wir unterhielten uns eigentlich ganz gut. Irgendwie kamen wir dann auf Computer- und Konsolenspiele zu sprechen und er begann von einem Fußballspiel zu reden, verzeiht mir, dass ich mich an das Spiel nicht mehr erinnere, Fußball interessiert mich nicht. Genau deshalb erinnere ich mich auch nicht mehr an die Mannschaft und den Spieler um den es im Folgenden ging. Der Junge meinte nur, dass er einen bestimmten Spieler immer gleich am Anfang raus nimmt. Wir schauten ihn an und fragten wieso. »Na, das ist ein dunkler, die mag ich nicht«. Ich schaute seine Mutter entsetzt an, die schaute nur hilflos. Ich versuchte dem Jungen noch klar zu machen, wie er es denn finden würde, wenn seine hessischen Cousins, die er besuchen wollte, ihn nicht mit Fußball spielen lassen würden, nur weil er so komisch thüringisch redet. Er hat es aber nicht kapiert. Schade, wenn die Eltern nicht als Vorbild durch die Welt gehen, wie will da vernünftige Jugend nachkommen.

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