Web 2.0 und was die Wirklichkeit bringt

Ich bin wirklich webafin, aber bin ich auch bereit für die neue Welt des Web 2.0? Oder kann ich einfach nur nicht den Marketingversprechungen der vielen neu entstehenden Webplattformen glauben schenken, die mir mit immer neuen Vermarktungsmethoden versuchen, gerade ihre Plattform, als mein Seelenheil zu verkaufen? Mittlerweile kristalisiert sich, neben all den reinen Communityplattformen, die folgende heraus: Man meldet sich als Nutzer an, da man versprochen bekommt, wenn man sich mit Beiträgen und Inhalten daran beteiligt, am Umsatz beteiligt zu werden.

Google bietet mit Adsense seit Jahren eine Verdienstmöglichkeit mit eigenen Webseiten an und dies sehr erfolgreich und dezent. Irgendwie erscheint mir hier gerade ein Kanibalisierungseffekt aufzutreten. Der Nutzer der aus den einzelnen Anwendungen und Plattformen nur mehr sehr wenig Profit ziehen kann, meldet sich an immer mehr, neu entstehenden, Plattformen an und wird dadurch immer weniger aktiv bei den alten, da man dann doch nicht überall aktiv sein kann. Die Plattform an sich stört das nicht, generiert der Mini-Umsatz des einzelnen doch in der Masse große Umsätze. Und der Benutzer wird mit seinen Pfennigerträgen über Monate zum ersten Auszahlungstermin vertröstet. Hey Leute, dies alles gab es schon einmal. Immer wurde dem Nutzer ein wahnsinniger Mehrwert versprochen und nie gehalten. Mit wenigen Ausnahmen. Und das sind die Sachen die dann für viel Geld verkauft werden. Beispiele kennt man aus der letzen Zeit genügend.

Irgendwie vermisse ich die vielen Webseiten die einfach nur deshalb existieren, weil der Autor etwas mitzuteilen hat, oder eine Firma ein Produkt anzubieten hat, das ein Alleinstellungsmerkmal hat.

Wo ich bei der eigentlichen Idee meines Postings bin. Web 2.0 Technologien werden jetzt wunderbar verpackt verkauft und angepriesen als wären sie die Heilsbringer. Wirklichkeit ist doch, dass all dieser usergenerierte Content zumeist sehr subjektiv entstanden ist. Wunderbares Beispiel hierzu ist die gerade bei mir laufende Diskussion zum „Blogger-Gewinnspiel“ des Rucksack-Shops. Entweder waren Postigs dazu kritisch, oder eben eindeutig Werbung. Kein objektiver Bericht zum Shop war dabei.

Schon vor mehr als 10 Jahren bot wohin.heute.de Inhalte an die an einen Weblog erinnerten. Täglich moderieren Autoren einen Beitrag, der dann breite Beachtung findet. Ajax ist in aller Munde und Rich-Internetapplikationen sollen das Seelenheil der Web- und Werbebranche sein. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Natürlich finden „coole“ Flashseiten auch bei mir am Anfang große Beachtung, weil ich mich damit beschäftige. Aber nach einigen Minuten stelle ich meist fest, dass sie nervig zu bedienen sind. Selbst Macromedia/Adobe hat ihre vormals vollständig in Flash umgesetzten Seiten wieder in ein vernünftig ausgezeichnetes HTML Gerüst gepackt, da nur so relevanter Content und ein Usererlebnis erzeugt wird, das man eben mit Surfen im Web erfahren hat. Und übermässiger Einsatz von JavaScript ohne der Chance den Inhalt auch ohne dieses zu betrachten, werden die Inhalte nicht vernünftig in Suchmaschinen indiziert und benötigen dann große Werbebudgets, damit überhaupt jemand die Inhalte „findet“. Dies könnte aber vielleicht auch eine Geschäftsidee sein…

Selbst YouTube nutzt Flash nur zur Darstellung der Filme, Inhalte, Metainformationen und mehr, wird über HTML vermittelt. Der einzigen Auszeichnung die eben von (fast) jedem Anzeigegerät (und Suchmaschine) verstanden wird.

Ich hoffe, dass die Zukunft des Webs nicht so aussieht, dass jeder Weblog schreibende Internetnutzer meint, mittels hunderter Widgets seinen Weblog aufpeppen zu müssen, da im Weblog selbst eben nur Katzencontent zu finden ist. (Ich weiß, dass ich selbst – zum Teil – auch Katzencontent liefere) So sind heute schon die Navigations und Bildleisten der Weblogs meist länger als der eigentliche Inhalt. Diese Weblogs bieten keinerlei Mehrwert und sind meiner Meinung nach wertloser Datenmüll.

Am Ende ist man als Nutzer derjenige der keine Lust mehr hat das Internet zu nutzen, wenn man merkt, dass man mit den selbst generieten Inhalten nur irgend einer Geschäftsidee geholfen hat Geld zu verbrennen. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich etwas gegen usergenerierten Content wie den von Wikipedia hätte, oder Foren wie die bei SelfHTML, die Bildung (über deren Qualität man natürlich trefflich streiten kann) vermitteln und nur aus der Gemeinschaft leben.

Mir geht es hauptsächlich um die usergenerieten Inhalte von denen in erster Linie nur übergeordnet Gewinne erzielt werden. Ein echter allgemeiner Nutzen aber schwer erkennbar ist. Als Produktsuchmaschine ist mir z.B. ein Katalog wie der von Geizhals, oder auch meine Produktshops bedeutend lieber, als ein von Usern gefütterter bei dem ich das Gefühl der nicht ehrlichen Information einfach nie los werde, da es sich hier eben um provisionsbasierte Berichte handelt. Nebenbei sind die Inhalte oft auch schrecklich aufbereitet. Man findet oftmals keine vernünftige Listings in denen man alleine über die Benutzeroberfläche noch weiter suchen kann.

Vielleicht täusche ich mich auch und die Masse der Nutzer, die jetzt stumpf ins Web strömt, möchte so berieselt werden. Aber ich habe in den 11 Jahren in denen ich Webseiten bastele viele Ideen kommen und gehen sehen. 😉 Ich lass mich überraschen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.